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Lobau

 

Das Bearbeitungsgebiet 2011 liegt am Ostrand von Wien und umfasst die linksufrige Donau-Talsohle zwischen Alter Donau und östlicher Stadtgrenze und damit das Auensystem der Lobau.

Das Gebiet beinhaltet den Nordteil einer großräumigen, geologischen Tiefenstruktur (Schwechat Tief), die sich bis in oberflächennahe Schichten auswirkt: Es stehen über 30 m mächtige Kiese, unterlagert von über 30 m mächtigen, miozänen Mittel- bis Grobsandschichten, an. Außerhalb dieses Senkungsraumes besteht der Untergrund hingegen aus durchschnittlich 7,7 m mächtigen Kiesen über miozänen Schluffen/Tonen mit Feinsandschichten.

Die WGM erstellte ein hydrogeologisches Schichtmodell mit Fokus auf relativen (Unterkante Kies) und absoluten Grundwasserstauer (Oberkante Schluff/Ton).

Die Ergebnisse wurden im November 2011 von Dr. Sabine Grupe im Rahmen der WGM-Vortragsreihe „Wissen für Wien“ präsentiert.

Das hydrogeologische Modell wurde während des Vortrags multimedial veranschaulicht.

Nachzulesen sind die Ergebnisse im Wissenschaftsbericht der Stadt Wien 2011 (S. 278-281) sowie im Mitteilungsblatt Nr. 88 (2013, S. 1-7) des Hydrografischen Dienstes in Österreich.

2017 erfolgte eine Überarbeitung aller Ergebnisse bzgl. des linksufrigen Wiener Stadtbereiches, vgl. dazu Vortrag von Dr. Sabine Grupe "Hydrogeologie des linksufrigen Donaubereiches".

Die Abbildung zeigt oben einen 10fach überhöhten, hydrogeologischen Längenschnitt (Stand 2017) durch das gesamte Wiener Stadtgebiet.  Er ist 25 km lang und verläuft parallel Neuer Donau und Marchfeldschutzdamm. Im Bereich über der geologischen Tiefenstruktur „Schwechat Tief“ befindet sich oberflächennah eine wannenartige Struktur, in der gegenüber der Umgebung erhöhte Mächtigkeiten von Kies (gelb, bis ca. 30 m mächtig) und Sand (orange, ebenfalls bis ca. 30 m mächtig) vorliegen. Dabei handelt es sich um einen bis in rezente Zeit aktiven, tektonischen Senkungsraum. Gerade in diesem Bereich erhöhter Mächtigkeiten von Grobkornsedimenten und Grundwasser (Grundwasserspiegellage: blaues Dreieck) liegt die Kriegsaltlast Zentraltanklager Lobau (Detailausschnitt), deren L-förmige Umschließung zur hydraulischen Sicherung 2002 - 2004 bis zu 70 m Tiefe ausgeführt werden musste. An ihrer Basis soll die geplante S1 Wiener Außenring Schnellstraße als „Lobautunnel“ queren (lila: Tunnel 40 m breit und 15 m hoch, 10fach überhöht; Asfinag, 2009). In der geologischen Animation hier ab ca Minute 3:10 zu sehen.

In der rezenten Talsohle der Donau liegen ca. 7,7 m mächtige, fast gänzlich grundwassererfüllte, holozäne Donauschotter. Die Kiese liegen über miozänen Schichten, die aus einer Wechselfolge von grundwasserstauenden Schluffen/Tonen mit grundwasserführenden Sanden bestehen. Sofern holozäne Kiese direkt über den miozänen Sanden liegen, stehen beide Grundwasserleiter in Kontakt, und die Grundwassermächtigkeit ist stark erhöht. Ganz lokal, am südostlichen Stadtrand, im Bereich über der geologischen Tiefenstruktur „Schwechat Tief“, treten die höchsten grundwassererfüllten Mächtigkeiten des obersten, freien Aquifers auf.  Das schematische Bohrprofil zeigt für diesen Bereich die Schichtabfolge und ihre Mächtigkeiten: über wenigen Metern einer natürlichen, feinkörnigen Bedeckung aus Humus, Aulehm und Ausand liegen wassergesättigte Grobkornsedimente der Donau: Kiese und Sande. Die grundwassererfüllte Mächtigkeit kann in diesem Bereich bis über 60 m betragen. Die Grobkornsedimente haben unterschiedliche Alter: Der obere, nacheiszeitliche Kies ist ein grauer, unverfestigter Mittel- bis Grobkies. Dann folgt mit einer Diskordanz jungpliozäner Donauschotter. Er ist verwittert, orange, rot bis braun gefärbt und besteht aus verfestigtem Fein- bis Mittelkies. Alter (OSL und kosmogene Nuklide) und Petrografie sind durch die MA 45 - Forschungsbohrung P573 bekannt. Beim unterlagernden Sand handelt es sich um fluvialen Donausand, höchstwahrscheinlich oberpannonen Alters.

Wien liegt am Westrand des Wiener Beckens. Es handelt sich um ein rhomboidförmiges, NW-SO streichendes Zerrungsbecken, das ca. 250 km lang und bis 60 km breit ist. Hier ist entlang von Bruchstaffeln (weiße Linien und Flächen) der alpine Untergrund aus Festgesteinen sukzessive tektonisch eingesunken. Im Westen, unter dem Stephansdom, befindet er sich in 1,5 km Tiefe und im Südosten von Wien, im Bereich der geologischen Tiefenstruktur „Schwechat Tief“, in rund 5 km Tiefe. Das Wiener Becken ist syntektonisch mit miozänen Lockersedimenten gefüllt. Die farbkodierte Strukturkarte der Geologische Bundesanstalt (GBA) zeigt die Basis der miozänen Beckenfüllung bzw. die Oberkante der alpinen Festgesteine. Die geologische Tiefenstruktur „Schwechat Tief“ paust sich bis in die jüngsten geologischen Schichten durch: Donaukiese und unterlagernde Sande (beide grundwassererfüllt) liegen gegenüber der Umgebung in erhöhter Mächtigkeit vor und bilden eine wannenartige Struktur (siehe Längenschnitt). Die Kriegsaltlast Zentraltanklager Lobau liegt darüber. Sie ist durch eine L-förmige, bis zu 65 m tiefe Dichtwand (gelbpunktierte Linie) hydraulisch gesichert. Die geplante S1 Wiener Außenring Schnellstraße soll als ca. 8 km langer „Lobautunnel“ dieses rezent aktive Subsidenzgebiet queren, und die Basis der Dichtwand durchörtern (Asfinag 2009).