Altlastenmanagement
Wasserbauliche Projekte
Hydrogeologische Forschung

Eiszeitliche Terrassentreppe


Die Terrassenbildung im Wiener Raum ist klimagesteuert, aber vermutlich auch von tektonischen Prozessen beeinflusst. Den traditionellen, vier Vereisungsperioden Günz, Mindel, Riss und Würm steht in Wien eine Terrassentreppe mit bisher sieben Terrassen gegenüber.
Die Kenntnis darüber zu welchen Anteilen die Terrassentreppe klimagesteuert bzw. tektonisch beeinflusst ist, hat eine große Bedeutung für zukünftige Entwicklungen im Stadtgebiet (Bauwerksausführungen, Erdbebensicherheit etc.). Daher versuchen MA 45 und WGM im Rahmen des Forschungsprojektes „Angewandte Hydrogeologische Forschung“ und in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien sowie der Geologischen Bundesanstalt auf diese offene Frage Antworten zu finden.

Ein erster wichtiger Schritt wurde 2011 von der WGM mit der hydrogeologischen Untersuchung der Lobau gesetzt. Das Ergebnis zeigt, dass im Bereich der Tiefenstruktur Schwechat Tief die oberflächennahen Schichten eine Besonderheit aufweisen: eine wannenartige Struktur, die sich gegenüber der Umgebung durch deutlich erhöhte Schichtmächtigkeiten von zwei strukturkonformen Kiesschichten auszeichnet:

  • die obere Schicht besteht aus unverwitterten, unverfestigten, grauen Donauschottern
  • die untere Schicht besteht aus verwitterten, verfestigten, zumeist gelben, manchmal rötlichen Donauschottern.

Das hydrogeologische Modell der Unterkante (in m ü.A.) der oberflächennahen, grobkörnigen, grundwassererfüllten Sedimente (= Oberkante des Grundwasserstauers aus Schluff/Ton) zeigt über der geologischen Tiefenstruktur „Schwechat Tief“ eine wannenartige Struktur (dunkelblau) mit einer Elongation nach Süden, ins südliche Wiener Becken (aus: WGM, 2014)

In einem zweiten Schritt wurden 2012 die beiden Kiesschichten durch die Forschungsbohrung P573 der MA 45 beprobt und das Material wurde von der Geologischen Bundesanstalt sedimentpetrographisch sowie von der Universität für Bodenkultur Wien stratigrafisch untersucht. Die Datierung erbrachte, dass die oberen Donauschotter im Holozän abgelagert wurden (Methode: optisch stimulierte Lumineszenz - OSL) und die unteren Donauschotter im jüngsten Pliozän (Methode: kosmogene Nuklide). Diese Ergebnisse liegen mit 2017 vor und sind nun publiziert: Lüthgens, C.; Neuhuber, S.; Grupe, S.; Payer, T.; Peresson, M.; Fiebig, M. (2017): Geochronological investigations using a combination of luminescence and cosmogenic nuclide burial dating of drill cores from the Vienna Basin; Z. Dt. Ges. Geowiss.; 168 (1), p. 115-140.

Der nächste wichtige Schritt wird Ende 2017 erfolgen: Die Beprobung von Schottern der Laaerberg Terrasse und ihre Datierung. Die Laaerberg Terrasse wird klassisch als Prägünz-zeitlich eingestuft. Falls sich herausstellen sollte, dass dieser Schotter auch pliozänen Alters ist, dann lägen altersgleiche Kiese in verschiedenen Höhenlagen. Dann müßte diskutiert werden, warum gleich alter Kies sowohl im Schwechat Tief als auch 100 m höher am Laaerberg zu finden ist.

In zukünftigen Schritten sollten die sieben, von der WGM im Zuge der hydrogeologischen Forschung kartierten Donauschotterterrassen-Niveaus systematisch beprobt, sedimentpetrographisch untersucht und datiert werden.

Schematische Abfolge von miozänen Strand- und quartären Donauterrassen im Wiener Raum südlich des Wienfluss sowie aus Sauerstoffisotopen abgeleitete globale Klimaschwankungen der letzten 4 Millionen Jahre (PARTRIDGE, 1997) und Unter- und Oberkanten der Donauterrassenschotter gemäß hydrogeologischer Bearbeitung der WGM, 2016; Holozän/Pleistozän-Grenze = 11.700 Jahre vor 2000 (entspricht 9.700 v. Chr.) gemäß International Commission on Stratigraphy, 2013 (Abb. modifiziert nach FAUPL, 2002 bzw. THENIUS, 1974).